Bücher, die bleiben

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Ich bin jemand, der Bücher mehrfach liest. Nicht alle. Es gibt Bücher, die lese ich eben einmal, und dann ist es gut. Dann gibt es Bücher, die lese ich so zwei- oder dreimal. Viele davon gehören zu Serien, und ich will mich wieder auf den neusten Stand bringen, bevor ich das neue Buch der Serie lese. Und dann gibt es Bücher, die lese ich immer und immer und immer wieder. Diese Bücher sind für mich wie alte Freunde, die ich immer wieder besuchen möchte. Die Geschichten sind vertraut, die Charaktere geliebt. Mein Mann versteht das nicht. Der liest Bücher sehr selten mehr als einmal. Aber für mich sind manche Bücher zu wichtig, als dass ich sie nur einmal lesen kann.

Eines dieser Bücher habe ich vor fast genau 20 Jahren das erste Mal in die Hand genommen. Es war im Sommer 1996, und wir waren zu fünft an der Bahnstation, auf dem Weg nach Schottland. Beiläufig lief ich durch die Buchhandlung, entdeckte das Buch, zu dem ich schon den Film kannte, und kaufte es als „kann als Reiselektüre nicht schaden“. Dass ich dieses Buch seitdem ungefähr jedes Jahr einmal lesen würde (oder hören, inzwischen habe ich es als Hörbuch), habe ich nicht geahnt. Zuerst auf Deutsch, später in der Originalsprache Englisch. Es ist einer jener Freunde, die ich so liebe. Manchmal brauche ich das Buch mit seinen Geschichten einfach, als einen Vertrauten, jemanden, der mich in eine Welt entführt, in der es vielleicht spannend und aufregend ist, aber auch eben einfach und vertraut.
Ich glaube nicht, dass ich irgendein Buch so oft gelesen habe wie dieses. Nicht einmal die „His Dark Materials“-Serie oder Chrestomanci, die sonst da nahe rankommen. Ich kann nicht mal den Finger drauf legen, warum das so ist. Es ist ein Abenteuerbuch, vielleicht mit ein wenig Tiefgang, aber vor allem eben ein Abenteuerbuch mit gut gemachten Charakteren und spannenden Geschichten. Und es übertrifft seinen Film übrigens um Längen.

Dieses Buch ist „Watership Down“.

Heiligabend ist sein Autor, Richard Adams gestorben. Er hat nicht viel andere Bücher geschrieben, und das, was ich gelesen habe („Hunde des schwarzen Todes“) hatte längst nicht die Wirkung von Watership Down.
Ich weiß also nicht, ob ich von meinem „Lieblingsautoren“ sprechen kann. Aber ich bin traurig. Der Mensch, der mir dieses Buch, meinen Vertrauten und meinen Rückhalt geschenkt hat, ist tot. Er ruhe in Frieden.

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