Archiv für den Monat Dezember 2016

Bücher, die bleiben

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Ich bin jemand, der Bücher mehrfach liest. Nicht alle. Es gibt Bücher, die lese ich eben einmal, und dann ist es gut. Dann gibt es Bücher, die lese ich so zwei- oder dreimal. Viele davon gehören zu Serien, und ich will mich wieder auf den neusten Stand bringen, bevor ich das neue Buch der Serie lese. Und dann gibt es Bücher, die lese ich immer und immer und immer wieder. Diese Bücher sind für mich wie alte Freunde, die ich immer wieder besuchen möchte. Die Geschichten sind vertraut, die Charaktere geliebt. Mein Mann versteht das nicht. Der liest Bücher sehr selten mehr als einmal. Aber für mich sind manche Bücher zu wichtig, als dass ich sie nur einmal lesen kann.

Eines dieser Bücher habe ich vor fast genau 20 Jahren das erste Mal in die Hand genommen. Es war im Sommer 1996, und wir waren zu fünft an der Bahnstation, auf dem Weg nach Schottland. Beiläufig lief ich durch die Buchhandlung, entdeckte das Buch, zu dem ich schon den Film kannte, und kaufte es als „kann als Reiselektüre nicht schaden“. Dass ich dieses Buch seitdem ungefähr jedes Jahr einmal lesen würde (oder hören, inzwischen habe ich es als Hörbuch), habe ich nicht geahnt. Zuerst auf Deutsch, später in der Originalsprache Englisch. Es ist einer jener Freunde, die ich so liebe. Manchmal brauche ich das Buch mit seinen Geschichten einfach, als einen Vertrauten, jemanden, der mich in eine Welt entführt, in der es vielleicht spannend und aufregend ist, aber auch eben einfach und vertraut.
Ich glaube nicht, dass ich irgendein Buch so oft gelesen habe wie dieses. Nicht einmal die „His Dark Materials“-Serie oder Chrestomanci, die sonst da nahe rankommen. Ich kann nicht mal den Finger drauf legen, warum das so ist. Es ist ein Abenteuerbuch, vielleicht mit ein wenig Tiefgang, aber vor allem eben ein Abenteuerbuch mit gut gemachten Charakteren und spannenden Geschichten. Und es übertrifft seinen Film übrigens um Längen.

Dieses Buch ist „Watership Down“.

Heiligabend ist sein Autor, Richard Adams gestorben. Er hat nicht viel andere Bücher geschrieben, und das, was ich gelesen habe („Hunde des schwarzen Todes“) hatte längst nicht die Wirkung von Watership Down.
Ich weiß also nicht, ob ich von meinem „Lieblingsautoren“ sprechen kann. Aber ich bin traurig. Der Mensch, der mir dieses Buch, meinen Vertrauten und meinen Rückhalt geschenkt hat, ist tot. Er ruhe in Frieden.

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Weihnachts-Nähwoche

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Die letzte Woche vor Weihnachten – und ich mache eine Arbeitspause. Ich versuche, das Haus weihnachtsfein zu machen, und alle Geschenke und Karten auf den Weg zu bekommen. Und ich will nähen. Ich habe so viel tollen Stoff, so viele Ideen.
Aber zuerst musste ich gestern und heute morgen noch das letzte Shirt für die Kinder meiner Schwester fertig machen. Alle drei haben sich ein Oberteil von mir gewünscht, und auch Stoffe und Farben ausgewählt. Jetzt sind sie fertig.
Der jüngste Klabauterneffe bekommt das Eulenshirt, das ist ein „Autumn Rockers“ von mamahoch2. Die Klabauternichte wollte den Fleecepulli (ohne Kapuze, mit Tasche), das ist eine „Sabrina“ von Mamu Design. Und der älteste Klabauterneffe wollte ein Hemd. Aber kein klassisches. Das ist ein „Elia“, ebenfalls von Mamu Design (bei dem Schnitt muss ich IMMER knobeln, denn da sind Fehlerchen in der Anleitung).
Ich denke, ist alles ganz gut geworden. Mir persönlich gefällt der Eulenpulli am Besten, aber wie gesagt – Stoffwahl lag komplett bei den Kids.

Jetzt muss noch alles verpackt und ganz schnell weggeschickt werden.weihnachten-2016

Klabauterkinders Modelagentur II

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Das Gespräch am Montag nach dem „Fotoshoot“ ging ungefähr so:
Klabautermädchen: „Immer nähst du nur für den Klabauterjungen, nie für mich.“
Ich: „Das ist doch gar nicht wahr. Dein Schrank ist voller Kleider und Hosen und Shirts von mir. Außerdem braucht der Klabauterjunge gerade ganz viele Hosen, weil deine alten ihm alle nicht passen.“
Klabautermädchen (trauriger Blick): „Ich möchte soooo gerne auch mal wieder was genäht bekommen.“
Ich: *seufz* Na gut, wenn ich heute Abend das Shirt für den Klabauterneffen fertig bekomme, sehe ich mal, ob ich Dienstag für dich ein Kleid nähen kann. Das kannst du dann zum Fototermin im Kindergarten anziehen.

Nun ja. Shirt wurde fertig, und ich habe dann das Versprechen genutzt, gleich zwei „muss ich unbedingt mal machen“-Sachen zu erledigen. Erstens, den wunderschönen Fleecestoff zu vernähen, den ich glaube ich vor drei Jahren mal in irgendeinem Ausverkauf bekommen habe. Und zweitens, eine „Lulla“ von Schnittgeflüster zu nähen. Da Lulla für alle Stoffe geeignet ist, und ich den Vorteil hatte, dass ich Fleece nicht versäubern muss, ging das recht fix.
Ich gestehe, ich habe eine Vorliebe für eher minimalistische Kleiderschnitte mit nicht so viel Schnickschnack dran. Lieber packe ich noch eine Applikation irgendwo drauf, als Dutzende von Extrarüschen und Fältchen. Und das Klabautermädchen sieht darin gut aus.
Eigentlich gehört auf die „Lulla“ noch eine Blumenapplikationstasche, zu sehen hier. Ich hatte sie, und den falschen Knopfbeleg tatsächlich schon zugeschnitten, aber als ich sie auf das Kleid legte, gefiel mir das zu dem Stoff gar nicht. Der Stoff schrie geradezu „lass mich bloß in Ruhe“ (passt zum Klabautermädchen 😉 ). Also habe ich die schlichteste Form des Kleides ohne alles gewählt, und so gefällt mir das sehr gut. Wenn die Ärmel in nächster Zeit zu kurz werden sollten, suche ich vielleicht ein neutrales Bündchen, das ich dran nähe, damit sich das Kleid noch länger hält, aber das ist auch alles.
Das Klabautermädchen zog sich heute morgen die rausgelegte Unterwäsche, Leggings und Socken an, dann präsentierte ich ihr das Kleid.

Sie: „Hast du das heute Nacht genäht?“
Ich: „Ja.“
Sie: „Hast du gar nicht geschlafen?“
Ich: „Doch doch, so lange hat das nicht gedauert.“
Sie (drückt ihr Gesicht ins Kleid und flüstert): „Schööööön.“

Mission accomplished.

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Klabauterkinders Modelagentur ;)

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Ich habe genäht. Also eigentlich richtig viel, aber ich vergesse ja immer, Fotos zu machen. Aber dieses Mal habe ich mir den Klabauterjungen zum „Modeln“ geschnappt. Leider vor dem Kindergarten, also war alles noch dunkel. Und der Fotoprofi bin ich auch nicht. Aber man kann schon ein bisschen was sehen.
Der Klabauterjunge hat ein Klamottenproblem. Erstens mag er es gerne bunt, und die meisten Jungenklamotten für sein Alter sind schon eher oliv/khaki/grau, und zweitens kommt er mit (engen) Jeans und dergleichen nicht gut klar. Er ist sowieso etwas kräftig, was gerade besser wird. Aber er ist vor allem etwas ungeschickt und braucht weite, weiche Hosen, in denen er sich gut bewegen kann. Damit die Beweglichkeit auch mal kommt.

Sprich: ich nähe ihm gerade Hosen. Viele Hosen aus Sweatstoff und dergleichen. Und dieses Mal ist es eine ganze Kombi geworden. Eine „Xolo“ von Farbenmix, mit der Abwandlung, dass ich Rippbündchen unten an die Hose genäht habe, statt einem Gummizug. Ich mag die Bündchen lieber, denn obwohl sie gut unten abschließen, und das ganze Kinderbein so warm halten, rutschen sie nicht so hoch, wie ein Gummizug. So ist die Hose nicht ständig eine 3/4-Hose.

Anyway, Zeit für meine semiprofessionellen Fotos:

1) Zipfelshirt mit Negativ-Applikationen (eine Premiere, hatte ich noch nie gemacht) aus Jersey. Die Ränder habe ich – eine weitere Premiere – mit einer Zwillingsnadel umnäht. Muss ich öfter machen. Im Nachhinein glaube ich, dass ich damit die Applikationen auch besser hätte betonen können, aber ich wollte dann nicht über den (hier leider nicht so sichtbaren) Zierstich nähen.
Die Hose ist aus Kuschelsweat. Die roten Bündchen unten sind noch kaum zu sehen, ich habe die Größe großzügig gewählt.

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2) Hier sieht man ganz nett die Zipfel auf der Seite

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3) Die Kombi mit der dazugehörigen Weste drüber. Noch einmal eine Negativapplikation. Der Stoff ist ein Bio-Nicki, den ich aus einem meiner alten Pullover „gewonnen“ habe. 😉

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4) Und nochmal von hinten für die schöne Zipfelkapuze. Auch hier habe ich abgewandelt. Ich mag die außenliegende Kapuzennaht einfach nicht.

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